Akademischer Tanz
ist der seit dem 17. Jh. entwickelte und immer mehr perfektionierte Theatertanz, dessen Schritt- und Bewegungsfolgen in der Danse d'école strikt kodifiziert sind und im Exercice zur Vervollkommnung der Technik des Tänzers täglich repetiert werden. Im 17. Jh. und 18. Jh. trugen Paris, im 19. Jh. Mailand und St. Petersburg entscheidend zur Weiterentwicklung des akademischen Tanzes bei.

Allongé
(frz. allonger, verlängern) bezeichnet eine gestreckte Linie, die meist im Zusammenhang mit der Arabesque gebraucht wird: die horizontale Linie zwischen den nach vorn und hinten ausgestreckten Armen.

Arabesque
(frz. Ornament im arabischen Stil) ist eine der Grundhaltungen im akademischen Tanz: Standbein gestreckt, Spielbein in einer Höhe von mindestens 90° nach hinten gestreckt. Die Position der Arme und des Rumpfes sind variabel, entsprechend verschieden sind die Bezeichnungen der einzelnen Arabesquen. Die Arabesque war bereits im 18. Jh. bekannt und wurde endgültig von Ch. Blasis kodifiziert. Ihren Höhepunkt hatte sie im Zeitalter des romantischen Balletts als ausdrucksvollste Pose der romantischen Sehnsucht nach einer höheren Welt.

Ballett
ist der Terminus, mit dem 1. der in künstlerisch stilisierter Form dargebrachte Bühnentanz des abendländischen Kulturkreises bezeichnet wird. Man versteht unter Ballett 2. das in der oben genannten Form dargebotene Werk, und 3. eine Compagnie, die solche Werke präsentiert, (»Reclams Ballettlexikon«). Heute versteht man unter Ballett durchaus sehr unterschiedliche Erscheinungsformen des Bühnentanzes, auch wenn der akademische Ursprung weiterhin durchscheint.
Seinen Ursprung hat dieser Terminus im Italienischen und kommt von »balletto«. (Das ist die Diminutiv-Form von »ballo«, das bedeutet »Tanz«“; »ballare« bedeutet »tanzen«) An den Höfen Italiens wurden in der Renaissance festliche Aufzüge präsentiert, in denen Zwischenspiele (»intermezzi«) vorgesehen waren, zumeist als Tanzeinlagen. Ab ca. 1550 bezeichnete man diese Einlagen als »balletti«. Sie beruhten in der Regel auf einer geschlossenen dramatischen Tanzszenenfolge. Aus diesen »balletti« entwickelten sich später die französischen »ballets de cour« (»Hofballette«). Der Begriff hat sich mit der Kodifizierung des akademischen Bühnentanzes fest etabliert.

Ballon
(frz.) ist die Fähigkeit eines Tänzers, während eines Sprungs den Eindruck zu erwecken, als ob er in der Luft einen Augenblick lang stillstünde. Die Schwerkraft der Erde scheint vorübergehend aufgehoben zu sein. (»Reclams Ballettlexikon«).

Bourée
ist ein alter Französischer Volkstanz. Davon abgeleitet ist der pas de bourée, für den mehrfache Gewichtsverlagerung charakteristisch ist. Beginn aus V. Pesition, rechter Fuß vorn; das linke Bein geht dicht über dem Boden in die II. Position, während das rechte ein demi plié ausführt; das linke Bein schließt nach rechts hinten zur Halbspitze auf, die Knie sind gestreckt; das rechte Bein öffnet à la seconde, das linke Bein schließt hinter dem rechten zur V. Position auf.


Corps de ballet
(frz. »Körper/Korpus des Balletts«) sind die Mitglieder des Ballettensembles, die im Gegensatz zu den Solotänzern in der Regel als große Gruppe auftreten. Die Gruppentänzer arbeiten auf die größtmögliche Homogenität in den Bewegungen hin. Allerdings kommt es ebenso oft vor, dass einzelne Figuren in Erscheinung treten, wenn ein Choreograph dies beabsichtigt. Kaum ein klassisches Ballett kommt ohne Corps de ballet aus.

Elévation
(frz. Erhöhung) ist im Ballett die Fähigkeit eines Tänzers, zu springen und Bewegungen in der Luft auszuführen. Sie ist als Sprungkraft vom Ballon eines Tänzers zu unterscheiden, der ihn befähigt, eine Zeitlang in der Luft zu bleiben.

Elève
bezeichnet die Tanzlehrlinge und -anfänger.

Exercice
(frz., Übung) ist das tägliche Tanztraining. Dem gegenüber wird das englische Wort Exercise für jede Art von Bewegungsübung benutzt.

Jeté oder Pas jeté
(frz. jeter, werfen) Bezeichnet im Ballett einen Sprung von einem Fuß auf den anderen. Davon abgeleitet ist der Grand jeté als großer Sprung nach vorn.

Pas
(frz., Schritt) wird in der Fachsprache des Balletts meist in Zusammenhang mit anderen Worten gebraucht. Als Bezeichnung für einen bestimmten Schritt wie in Pas de bourée, Pas de chat usw., aber auch als Bezeichnung für eine bestimmte Form - wie in Pas d'action für eine dramatisch akzentuierte Szene sowie des weiteren in Zusammensetzung mit Zahlen: Pas seul, Pas de deux, Pas de trois etc. als geschlossene Tanznummer für einen, zwei, drei usw. Tänzer. Die berühmteste Form ist der Pas de deux für die Ballerina und ihren Partner, der meist nach dem Muster Entrée und Adagio für beide Partner, Variation für den Ballerino, Variation für die Ballerina und Coda für beide aufgebaut ist.

Plié
(frz. plier, beugen) ist die Kniebeuge mit einem oder beiden Beinen, wobei sich die Knie in einer Linie mit den eine Gerade bildenden Füßen befinden müssen. Es wird zwischen demi plié und grand plié unterschieden. Jedes Training im Ballett beginnt mit einer Serie von pliés zur Lockerung der Muskeln und Sehnen und zur Stärkung der Blance.

Pose
ist eine bewegungslos durchgehaltene Körperstellung - einRuhepunkt oder eine Akzentuierung, wie z.B. in einer Arabesque oder Attitüde.

Posé
(frz. poeser, hinstellen, hinsetzen) ist eine bestimmte Art von Gewichtsverlagerung von einem auf das andere Bein. Der Tänzer hebt zuerst das Spielbein mit gebeugtem Knie, dann aber streckt er das Bein und führt es in einen Schritt auf Spitze oder Hlbspitze. Dieser Schritt kann nach vorn, nach hinten oder zur Seite ausgeführt werden.

Positionen der Arme
Im klassischen Tanz spielen die Arme eine große Rolle. Sie sind eines der wichtigsten Ausdrucksmittel des Tänzers. Sie vollenden die jeweilige Form der unterschiedlichen Posen. Außerdem helfen sie dem Tänzer dabei, schwierige Bewegungen auszuführen, z. B. bei Drehungen oder Sprüngen, wobei sie die Aktion der Beine und des Körpers aktiv unterstützen. Alle Bewegungen der Arme im Raum lassen sich auf die drei Grundpositionen zurückführen:
In der »I. Position« sind beide Arme in der Höhe des Diaphragmas vor dem Körper gehalten. Ellenbogen und Handgelenke sind abgerundet, so dass sich die Hände fast berühren. Die Handflächen sind zum Körper gerichtet.
In der »II. Position« sind beide Arme zur Seite geöffnet und werden etwas vor dem Körper und ein wenig unter der Schulterlinie auf gleicher Höhe gehalten. Ellenbogen und Handgelenke sind leicht abgerundet. Die Handflächen sind nach vorn gerichtet.
In der »III. Position« befinden sich beide Arme in einer ovalen Haltung über dem Kopf, ein wenig vor der Körperachse. Die Hände berühren sich fast. Die Handflächen sind nach unten gerichtet. Der Abstand zwischen beiden Händen ist, wie auch in der I. Position minimal.
In allen Positionen müssen die Arme mit den Ellenbogen und Fingern getragen werden.

Positionen der Beine
Es gibt fünf Grundpositionen der Beine im klassischen Tanz:
In der »I. Position« bilden die Füße, auswärtsgedreht wie auch in allen folgenden Positionen, eine gerade Linie, die Fersen berühren sich.
In der »II. Position« bilden die Füße ebenfalls eine gerade Linie, aber die Fersen sind um den Abstand einer Fußlänge voneinander getrennt.
In der »III. Position« steht ein Fuß vor dem anderen, die Ferse des vorderen Fußes berührt die Mitte des hinteren Fußes.
In der »IV. Position« stehen die Füße sich parallel gegenüber, die Fußspitze des einen vor der Ferse des anderen, aber mit dem Abstand einer Fußlänge dazwischen.
In der »V. Position« berühren sich die Füße in ihrer ganzen Länge, die Spitze des einen steht vor der Ferse des anderen.

Saut
(frz. sauter, springen) bezeichnet einen Sprung mit Absprung und Landung auf beiden Füßen in derselben Position.

Tour en l'air
(frz. Drehung in der Luft) bezeichnet die während eines Senkrechtsprunges in der Luft ausgeführte Drehung des männlichen Tänzers um die eigene Körperachse. Sie kann auch mehrfach ausgeführt werden als double, triple tour en l'air.


Tutu
(frz. »Ballettröckchen«) ist ein kurzes, aus mehreren Stoff-Lagen (meistens Gaze oder Tüll), gefertigtes, gelegentlich auch versteiftes Ballettkostüm. Knöchellang war es das Kostüm der Elfen- und Feengestalten des Romantischen Balletts: Seit etwa 1832 wurde es zunächst aus Musseline gefertigt. Mit der Weiterentwicklung des klassischen Tanzes hat sich auch das Tütü in seiner Form verändert und ist nicht nur traditionelles Kostüm, sondern neben den Spitzenschuhen Symbol der klassischen Tänzerin geworden. Heute unterscheidet man dem choreographischen Stil entsprechend im Wesentlichen zwei Formen: das lange oder so genannte romantische Tütü und das kurze so genannte akademische Tütü. In jedem einzelnen »Schwanensee«-Kostüm des Staatsballetts sind ca. 25m Tüll verarbeitet. (Literatur: Martine Kahane und Delphine Pinasa, »Le tutu«, in der Reihe »Les petits guides de l’Opéra«, hg. von der Opéra National de Paris 1997.)
Über das Lexikon
Was genau bedeutet eigentlich »Corps de ballet«? Was bezeichnet der Fachmann mit »Jeté« oder »Ballon«? Und welche Beinpositionen gibt es?

In der Welt des Balletts begegnet man einer großen Zahl fremdsprachiger Begriffe, einer eigenen Ballett-Fachsprache. Das liegt im Wesentlichen daran, dass das Ballett seine Ursprünge in Italien hat und in Frankreich akademisiert worden ist. Das kleine Ballett-Wörterbuch des Staatsballetts Berlin kann nicht umfassend informieren, will aber Interesse wecken und die größten Missverständnisse ausräumen. Es wird erst nach und nach vervollständigt. Dabei liegen folgende Fachbücher, die zur Lektüre und zum gründlichen Nachschlagen empfohlen sind, zugrunde:
Horst Koegler und Helmut Günther, »Reclams Ballettlexikon«, Stuttgart 1984.
Vera Kostrowitzkaja, »Schule des Klassischen Tanzes«, Berlin 2003.
Nikolai I. Tarassow, »Klassischer Tanz – Die Schule des Tänzers«, Wilhelmshaven 1988.
Agrippina Waganowa, »Die Grundlagen des Klassischen Tanzes«, Berlin 1954.
(Diese Bücher sind in verschiedenen Auflagen im Buchhandel erhältlich).