Giorgio Madia
CHOREOGRAPH | REGISSEUR

Der gebürtige Mailänder erhielt seine Tanzausbildung an der Ballettschule der Mailänder Scala und wurde nach seinem Abschluss 1984 in das Ballettensemble übernommen.
Maurice Béjart engagierte ihn 1985 als Solotänzer in sein Brüsseler Ballet du XXième Siècle und übernahm ihn auch in seine neue Compagnie, das Béjart Ballet Lausanne. Um mehr Erfahrungen auf dem Gebiet des klassischen Balletts zu sammeln, ging Giorgio Madia 1988 in die USA und wurde als Solotänzer zuerst Mitglied des Pennsylvania Ballet und darauf des Milwaukee Ballet, wo er sein Repertoire neben den klassischen Rollen um Solopartien in Choreographien von George Balanchine, Robert Taylor, William Forsythe, Merce Cunningham und Richard Tanner erweiterte. Zugleich verpflichtete Rudolf Nurejew ihn für seine Abschiedstournee „Nureyev & Friends", während der er in den Duetten „The Moor’s Pavane“ oder Béjarts „Le Chant du compagnon errant“ mit Nurejew auf der Bühne stand. Engagements führten ihn noch bis 1997 als Solotänzer an das San Francisco Ballet, als Ersten Solotänzer erneut zum Pennsylvania Ballet, zum italienischen Aterballetto sowie zum Zürcher Ballett. Während seiner aktiven Tänzerzeit begegnete Giorgio Madia neben Maurice Béjart und Rudolf Nurejew so namhaften Choreographen wie Alicia Alonso, Nicholas Beriosoff, David Bintley, Bertrand d’At, William Forsythe, Andy de Groat, Rosella Hightower, Lionel Hoche, James Kudelka, Hans van Manen, Peter Martins, Roland Petit, Josef Russillo, Heinz Spoerli, Richard Tanner, Glen Tetley, Helgi Tomasson oder Jorma Uotinen, um nur einige zu nennen.

1997 begann Giorgio Madia sich beim Balletto di Toscana der Ballettmeister- und Pädagogen-Tätigkeit zu widmen, bis er 2000 von Richard Wherlock als Ballettmeister und choreographischer Assistent ans BerlinBallett der Komischen Oper Berlin verpflichtet wurde. Noch im selben Jahr wurde er als Künstlerischer Leiter des Ballettensembles an das Teatr Wielki in Lodz berufen. 2001 wurde er Erster Ballettmeister des Basler Balletts, 2003 bis 2005 übernahm er die Verantwortung als Ballettdirektor der Volksoper Wien. Seit 2005 ist Giorgio Madia freischaffend als Choreograph, zunehmend auch als Regisseur sowie weiterhin als Trainings- und Ballettmeister in ganz Europa tätig.

Sein choreographischer Werdegang nahm 1995 seinen Anfang beim Zürcher Ballett. Neben seinen Arbeiten für die Seefestspiele Mörbisch ― wo er seit 2002 Chefchoreograph ist und gelegentlich auch Regie führte ― hat er bald abendfüllende Ballette in Angriff genommen, darunter solche Choreographien wie „Kann denn Liebe Sünde sein?“ (2002) für das Basler Ballett, oder „Nudo“ (2004) und „Alice“ (2005) für die Volksoper Wien, das so erfolgreich war, dass es sogar in der US-amerikanischen Kritik ein ausgezeichnetes Echo fand. Sein „Dornröschen“ (2006) und "Cinderella" (2007, zu Kompositionen Gioacchino Rossinis) für das Teatr Wielki Lodz wurden beide mit dem höchsten polnischen Theaterpreis, der „Goldenen Maske“, als die beste Produktion des Jahres ausgezeichnet. Daraus ergab sich die erste Opern-Regie: Jacques Offenbachs "Hoffmanns Erzählungen", auch diese Arbeit wurde 2008 mit der "Goldenen Maske" zur besten Inszenierung gekürt. Die Choreographie zur Eröffnung des Wiener Opernballs wurde ihm 2005, 2008, 2009 und 2010 anvertraut.

Immer wieder hat Giorgio Madia auch Ausflüge auf den Regiestuhl unternommen: Für die Seefestspiele Mörbisch inszenierte er 2003 Franz Lehárs "Giuditta" und 2006 das Fats-Waller-Musical „Ain’t Misbehavin‘“ an der Kammeroper Wien, mit dem alle Besucherrekorde dieser Spielstätte übertroffen wurden. Die Kammeroper Wien vertraute ihm 2008 die Inszenierung zweier Barock-Opern von Jean-Philippe Rameau an: "La Guirlande" | "Zéphire". Dem Stadttheater Baden bescherte er mit seiner erfrischenden Inszenierung der Operette „Saison in Salzburg“ einen vielbeachteten Erfolg, und nur wenig später führte ihn der Auftrag, Peter I. Tschaikowskys "Der Nussknacker" (2008) und „Schwanensee“ (2009) zu inszenieren und zu choreographieren, erneut ans Teatr Wielki in Lodz. In der jüngsten Vergangenheit hat er mit dem Balletto die Milano "Romeo und Julia" zur Musik von Peter I. Tschaikowsky erarbeitet (2009), mit dem Ballett des Staatstheaters Cottbus den außergewöhnlichen Ballettabend „Chopin imaginaire“ (2009), und das Opernhaus in Krakau übernahm 2010 sein preisgekröntes „Cinderella“ in das Ballett-Repertoire.

Für das Staatsballett Berlin hat Giorgio Madia 2007 „Alice’s Wonderland“ in einer eigens überarbeiteten Fassung zur deutschen Erstaufführung gebracht. Mit „OZ – The Wonderful Wizard“ kehrt er nun nach Berlin zurück und entwickelt endlich eine Uraufführung für Vladimir Malakhovs Compagnie.

Mehr Informationen:
www.giorgiomadia.com

Foto: lichtstark.com

Inszenierung
21. | 24. | 26. | 30. June 2014
02. | 06. July 2014