News

News
Ray Barra

1930 – 2025

Das Staatsballett Berlin trauert um Ray Barra. Der Tänzer, Ballettmeister und Choreograph wirkte in mehreren Perioden für das Ballett der Deutschen Oper Berlin: Zuerst als Ballettmeister unter der Künstlerischen Leitung von Sir Kenneth McMillan (1966 bis 1970) und erneut von 1994 bis 1996, als Intendant Götz Friedrich ihn kurzfristig verpflichtete, die Ballettdirektion interimsweise für ein halbes Jahr zu übernehmen. Ray Barra blieb noch zwei Jahre länger.


In San Francisco geboren, studierte er an der San Francisco School of Ballet und an der Schule des American Ballet Theatre. Seine Laufbahn begann er 1949 an der San Francisco Opera, unterbrach, weil er zwei Jahre im Korea-Krieg diente, tanzte von 1953 bis 1959 beim American Ballet Theatre in New York während der Ära von Nora Kaye, John Kriza und Lupe Serrano wie auch am Broadway, und blieb schließlich ab 1959 nach einer Europa-Tournee beim Stuttgarter Ballett, noch unter der künstlerischen Leitung von Nicholas Beriozoff. Dort tanzte er Hauptrollen u.a. in Beriozoffs Dornröschen, John Crankos Romeo und Julia (1962), Schwanensee (1963), Feuervogel (1964) und Onegin (1965) sowie in Kenneth McMillans Las Hermanas (1963) und Lied von der Erde (1965), diese Werke für ihn kreiert.

Nach einem Probenunfall musste er sich im Alter von nur 36 Jahren von der Bühne verabschieden, fand aber seine Berufung als Ballettmeister. Unter der Direktion von John Neumeier arbeitete er mit den Tänzerinnen und Tänzern beim Ballett der Frankfurter Oper (1970 bis 1973), beim Hamburg Ballett (1973 bis 1976) und blieb für viele Jahre Neumeiers führender Ballettmeister, studierte dessen Choreographien ein und begleitete ihn bei Neukreationen. 1985 bis 1990 wurde er als Amerikaner – seinerzeit eine große Besonderheit – als Leitungsmitglied des spanischen Ballet Clásico de España (heute Compañía Nacional de Danza in der Nachfolge von Víctor Ullate und María de Avila, Schlüsselfiguren des klassischen Balletts in Spanien) verpflichtet. Hier begann er, zu choreographieren und schuf mehr als ein Dutzend erfolgreicher, teilweise abendfüllender Werke. Einladungen, weitere Klassiker-Adaptionen oder neue Choreographien zu erarbeiten, führten ihn späterhin auch zum Washington Ballet, zum Bayerischen Staatsballett München, zum Greek National Ballet Athen oder ans Staatstheater Karlsruhe. Für das Ballett der Deutschen Oper Berlin choreographierte er Wiederkehr, a place remembered (1995 zu Musik von S.Rachmaninow), und Die Schneekönigin als abendfüllendes Handlungsballett (1995), das 2005 unter der Intendanz von Vladimir Malakhov nochmal in den Spielplan zurückkehrte. Ihm gelang es in seiner Amtszeit zudem, John Crankos Onegin an die Deutsche Oper Berlin zu holen, umso wirkungsvoller, da er 1965 zur Uraufführungsbesetzung der Titelrolle gehört hatte und Crankos Choreographie persönlich weitergeben konnte. Ensemble und Publikum dankten es ihm und erzählen bis heute davon.

Seine schon immer offen gelebte Homosexualität war in die 54 Jahre währende Partnerschaft mit Maximo Barra gemündet. Seine Heimat hatte er schließlich im sonnigen Andalusien gefunden, wo er am 26. März 2025 im Alter von 95 Jahren in Marbella gestorben ist.

Ray Barra lebte für den Tanz. Als Tänzer ein Meister des vollkommen natürlichen und so schwer zu erarbeitenden Bewegungsflusses, als Darsteller immer aufrichtig im Spiel, großzügig und motivierend, so beschreiben ihn die Weggefährten, die mit ihm im Ballettsaal arbeiteten. Seine strahlende Persönlichkeit öffnete die Menschen, mit denen er zu tun hatte, ein fordernder, gerechter und beflügelnder Direktor, ein Gentleman, elegant und humorvoll zugleich – so wird Ray Barra in den Erinnerungen vieler portraitiert, die ihn persönlich kannten.

So wird er dem Staatsballett Berlin in Erinnerung bleiben, voll tiefer Dankbarkeit, diesen großen Künstler des Balletts und Menschenfreund als lebendigen Teil seiner Geschichte empfinden zu können.

Die Intendanz

V.l.n.r.: Ray Barra mit Didi Carli, George Balanchine, Gert Reinholm und Gudrun Leben